SUPRIO Tagung, 6. November 2025

FNS (Wildhainweg 21, Plenarsaal), Bern

mit Simultanübersetzung Französisch-Deutsch

Geopolitische Veränderungen: Welche Folgen für die Hochschulen?

09.00Willkommen bei Kaffee und Gipfeli

09.30Begrüssung
Anne Laufer, Präsidentin von SUPRIO
>Präsentation

09.40Das Rezeptbuch der Autokraten – und was sie damit anrichten
Referat und Diskussion

Eva Maria Belser, Lehrstuhl für Staats- und Verwaltungsrecht, UNESCO Lehrstuhl für Demokratie und Menschenrechte, Co-Direktorin des Instituts für Föderalismus, Universität Freiburg
>Präsentation

Nach dem Fall der Berliner Mauer glaubten auch jene, die sich über Fukuyamas Ende der Geschichte lustig machten, dass er im Grunde doch recht hatte. Die liberale Demokratie schien sich durchgesetzt zu haben und ihre globale Verbreitung nur eine Frage der Zeit. Globale Demokratiethermometer zeigen allerdings nun seit Jahren deutliche Abkühlungstendenzen. Nicht nur junge Demokratien geraten immer wieder in Turbulenzen, auch altehrwürdige Systeme sind am Straucheln, ja Stürzen. Autokratische Tendenzen zeigen dabei immer die gleichen Muster. Zuerst wird die Zivilgesellschaft geschwächt, dann werden die Medien angegriffen, schliesslich geraten die Universitäten ins Visier, bis letztlich die Gewaltenteilung offen durchbrochen und die Unabhängigkeit der Justiz missachtet wird. Ganz zum Schluss folgt die Vereinnahmung oder Marginalisierung der Parlamente und der autokratische Machtausbau. In ihrem Inputreferat zu den Auswirkungen des geopolitischen Kontexts auf die akademische Welt wird Prof. Eva Maria Belser einen Blick in die Rezeptbücher der Autokraten werfen und einige Überlegungen dazu anstellen, was sie anrichten – in Bezug auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit Menschenrechte und das universitäre Leben. Zum Schluss wird es um die Frage gehen, wie Universitäten sich besser wappnen können, um zunehmendem Druck auf Meinungs- und Forschungsfreiheit zu widerstehen.

Diskussion moderiert von Marius Widmer, Vize-Präsident von SUPRIO

10.40PAUSE

11.00Herausforderungen der Kommunikation in einem polarisierten und von internationalen Spannungen geprägten Kontext
Case studies und World Café (auf Englisch)

Christian Degen, Leiter Kommunikation und Marketing, und Brigit Bucher, Leiterin Medien Relations, Universität Bern, Nicole Kasielke, Leiterin Kommunikationskanäle, ETH Zürich, und Marco Cattaneo, Kommunikationsdirektor, Universität Genf
>Präsentation

Geopolitische Verwerfungen stellen Hochschulen nicht nur vor operative und strukturelle Probleme, sondern bringen auch Reputationsrisiken mit sich und damit Herausforderungen für die Kommunikationsabteilungen. In einer zunehmend polarisierten Welt stehen Hochschulen stärker unter Beobachtung, müssen ihre Entscheidungen öffentlich begründen oder werden dazu aufgefordert zu internationalen Krisen Stellung zu beziehen. Politisch extrem aufgeladene Themen wie der Nahostkonflikt führen zudem zu inneruniversitären Spannungen und/oder Protesten. Diese Situationen sind kommunikativ höchst anspruchsvoll. Eine aktive, transparente und wertebasierte Kommunikation wird dabei zur Schlüsselressource, um Reputationsschäden zu vermeiden und das Vertrauen zu wahren. Ausgehend von Beiträgen der Universitäten Genf und Bern sowie der ETH Zürich bietet das World Café die Gelegenheit, Erfahrungen zu verschiedenen Themen auszutauschen – von geopolitischer Positionierung bis hin zur konkreten Medienarbeit.

12.15STEHLUNCH

13.15 Wie die ETH Zürich ihre Forschenden ermutigt, zwischen Wissenschaft und Politikgestaltung tätig zu werden
Präsentation und Diskussion

Benedikt Knüsel, Leiter Science-Policy Interface, ETH Zürich
>Präsentation

Nicht erst die Corona-Pandemie hat es gezeigt: Politik und Verwaltung haben bei ihren Entscheiden und den entsprechenden Vorbereitungen den Wunsch und das Bedürfnis, sich auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu stützen. Gleichzeitig haben viele Forschende den Wunsch, mit ihrer Expertise politische Entscheide zu beeinflussen. Das 2022 neu gegründete Science-Policy Interface der ETH Zürich unterstützt als zentrale Anlaufstelle alle Angehörigen der ETH Zürich, die sich an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik engagieren. In den Leitlinien der ETH Zürich zum Science-Policy Engagement, die seit 1. Februar 2024 in Kraft sind werden ETH-Angehörige explizit ermuntert, ihr Wissen in die Politik zu tragen und damit die politische Entscheidungsfindung zu unterstützen. Gleichzeitig begleitet das Science-Policy Interface die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule bei diesem Engagement. Weiter intensiviert wird dieser Transfer von der Wissenschaft in die politische Sphäre über ETH Policy Fellowships, ein massgeschneidertes Programm für Kadermitarbeitende des öffentlichen Sektors. Benedikt Knüsel wird die ETH-Richtlinien anhand von Beispielen vorstellen und wird einen Ausblick geben, wie sich dieses Modell mit der Gründung einer School of Public Policy im Herbst 2025 verändern wird.

Diskussion moderiert von Marcel Falk, Leiter Kommunikation und Public Affairs, SCNAT

14.15PAUSE

14.30Wissenschaftliche Expertise in einem digitalen und überladenen Medienumfeld
Keynote und Diskussion

Gilles Marchand, Ehemaliger Generaldirektor der SRG SSR, Direktor der Initiative Média Philanthropie, Universität Genf
>Präsentation

Die gesellschaftliche Polarisierung nimmt überall in Europa zu – auch die Schweiz bildet keine Ausnahme, wie das jüngste Wahlbarometer der SRG zeigt. Besonders betroffen ist das untrennbare Zusammenspiel von Politik und Medien: Auf der einen Seite pointierte politische Aussagen und vereinfachte Argumente, auf der anderen Seite eine hektische Jagd nach Aufmerksamkeit und der zunehmende Einsatz von KI. Die Triebkräfte dieser Polarisierung sind offensichtlich. In diesem Kontext wird wissenschaftliche Expertise immer wichtiger – um den gesellschaftlichen Dialog zu versachlichen und um die gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln. Doch wie kann diese Expertise in einem digitalen, überladenen Medienumfeld überhaupt noch die Öffentlichkeit erreichen? Und wie können Universitäten und Hochschulen als Institutionen im öffentlichen Diskurs sichtbar werden und daraus Impulse für die Forschungsfinanzierung gewinnen – ohne dabei die Inhalte zu verfälschen?

Fragen und Diskussion moderiert von Marius Widmer, Kommunikationsverantwortlicher, Universität Freiburg

15.30 Schlussbemerkung und Verabschiedung
Anne Laufer
,Präsidentin von SUPRIO

15.35Networking und Apéro
Wir freuen uns, mit allen Teilnehmenden den spannenden Tag mit angeregten Diskussionen ausklingen zu lassen.